Virtuellen Messestand erstellen - Chancen für Messebauer

Montag, 4. Mai 2020

In meinem Buch Event-Resource-Management, das 2018 im Springer Verlag erschienen ist, habe ich mich ausführlich mit den Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Live-Kommunikation beschäftigt. Dabei habe ich im Bereich der Risiken auch die "Virtuelle Messe" genannt. Basierend auf zahlreichen Gesprächen mit Branchenexperten im Rahmen der Research zu meinem Buch erschien mir die Aufnahme der virtuellen Messen jedoch mehr aus Gründen der Vollständigkeit notwendig.

Ein häufig genanntes „Gespenst“ ist die virtuelle Messe, sozusagen der „digitale Nachfolger“ klassischer Pendants. Befürworter dieses Formats werden zumeist Kostenersparnis und höhere Reichweite gegenüber klassischen Messen in das argumentative Feld führen. Gegner wiederum verweisen als zentrales Argument auf eine geringere Kontaktintensität,wenn Messen virtuell stattfinden. Unbestritten ein gewichtiges Argument! 

Ich denke man konnte im Wortlaut auch meine persönliche Skepsis zu dem Thema erkennen. Aber wie schon Konrad Adenauer sagte: „Es kann mich niemand daran hindern, über Nacht klüger zu werden“, so muss ich doch eingestehen, dass mich die Corona-Krise eines Besseren belehrt hat. Zu meiner Verteidigung muss ich eingestehen, dass ich die virtuelle Messe immer als Alternative zur realen Messe bewertet habe und da habe ich in der Tat immer noch meine Zweifel.

Aber wie sieht es aus, wenn keine reale Messe stattfinden kann oder darf? 

Naja, das ändert so ziemlich alles. Im Sinne der SWOT-Analyse in meinen Buch Event-Resource-Management ist das Risiko „virtuelle Messe“ also nun real geworden und wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen - nicht zuletzt im Sinne unserer Kunden. Dies sind ja vor allem Messebauer, die mit unserer Software ihre Prozesse digitalisieren wollen. Und so kamen wir zur Kernfrage. 

Virtueller Messestand - Chancen für Messebauer

Wie können wir aus dem Risiko „virtuelle Messe“ für Messebauer eine Chance entwickeln? 

 

Chance 1: Wir haben den virtuellen Stand schon fertig 

In den Gesprächen mit unseren Kunden haben wir erfahren, dass die meisten den Stand ohnehin bereits in einer CAD-Software virtuell erstellt haben. Dabei passiert dies standardmäßig in der Angebots-, Planungs- und Ausführungsphase. Während also eine Online-Agentur den Messestand erst in der virtuellen Welt schaffen muss, hat der Messebauer einen entscheidenden Vorteil an der Startlinie.  

Die Messebauer sind also im Bereich CAD den meisten Online-Agenturen überlegen. Sie haben die CAD-Bibliotheken und den fertigen, virtuellen Stand. Die Herausforderung liegt also nun darin, diesen Stand online zu veröffentlichen. Dabei sollte dies bestenfalls nicht wie bei einer Agentur als Projekt, sondern vielmehr als einfacher, standardisierter Prozess erfolgen. Damit wäre der Messebauer in der Lage, dem Kunden einen „virtuellen Messestand“ zu verkaufen, ohne beträchtliche Investitionen (Zeichnen, Rendern, etc.) leisten zu müssen. Denn gerade im Bereich der Online-Technologien liegt zumeist die Schwäche der Messebauer.  

Die Idee zu ExpoCloud Studio VirtualShow war geboren. Dabei ist dies keine CAD Software, sondern lediglich ein Tool, um den bereits in CAD-erstellten Messestand in „Web-Technologien“ zu heben. Neben dem virtuellen Raum ist ein virtueller Messestand aber durch die Integration von multimedialen Quellen gekennzeichnet. Wir nennen dies Info-Points. Info-Points ermöglichen es dem Messebauer den virtuellen Stand mit anderen Quellen, wie z.B. Video-Content, Websites, PDF-Dokumenten oder auch Kontaktformularen seines Kunden zu verbinden. So wird der Stand zum virtuellen Erlebnis und schafft aktiv Kontakte – auch wenn der reale Stand nicht stattfindet. Damit erlaubt die Software dem Messebauer, den bestehenden CAD-Stand mit wenigen Klicks online zu bringen und damit einen monetarisierbaren Mehrwert für seinen Kunden zu schaffen, ohne selber viel zu investieren.  

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Chance 2: Unterstützung des Kunden vor den Messen 

Je mehr wir uns mit der Idee beschäftigten, umso mehr wurde uns klar, dass der virtuelle Messestand auch dann, wenn Messen wieder stattfinden seine Berechtigung hat. Nicht jedoch als Alternative zum realen Messestand, sondern als sogenannter „Digital Twin“ oder zu Deutsch „digitaler Zwilling“. Zugegeben, dieser Gedanke war mir bei der Research zum meinem Buch nicht gekommen – immer wieder drängte sich das Bild des virtuellen Messestands als Alternative nicht aber als Ergänzung zum realen Messestand auf.  

Welche Möglichkeiten bietet der virtuelle Messestand dem Aussteller als Ergänzung zum realen Messestand vor der Messe? 

  • Der Aussteller kann den Messestand sowie die Messeneuheiten in seinen Internet-Auftritt integrieren und damit schon Kunden zum Besuch der Messe motivieren. Dabei können auch Elemente des Gamification integriert werden und z.B. bestimmte Incentives zur Abholung auf dem realen Stand integriert werden.  
  • Der Aussteller kann das Interesse an bestimmten Neuheiten (man muss ja nicht alle Geheimnisse verraten) testen und ggfs. noch auf die Planung der Ausstellungstücke Einfluss nehmen und so das Messestand Konzept noch im Vorfeld anpassen oder optimieren.  
  • Der Aussteller kann seine Standbesetzung (Mitarbeiter) mit dem Stand trainieren. Wo finden sich welche Exponate? Welche Informationen sind zu den Exponaten verfügbar? So spart man wertvolle Zeit auf der Messe und kann schon internes Feedback sowie Optimierungen einsammeln.  
     

Chance 3: Unterstützung des Kunden während der Messe 

Auch während der Laufzeit der Messe konnten wir Vorteile des „Digital Twin“ erkennen. Nicht alle Besucher sind die gesamte Laufzeit der Messe, sondern zumeist nur einzelne Tage vor Ort. Am nächsten Tag im Office berichten Sie Ihren Kollegen von dem Messebesuch und von den Ständen und Produkten, die sie gesehen haben. Auch daraus ergeben sich Vorteile für den Aussteller: 

  • Besucher können interaktiv von dem Gesehenen berichten. Sie können Kollegen gelungene Stände und interessante Produkte zeigen und sie auch für diese „erlebbar“ machen.  
  • Durch Interaktionsmöglichkeiten wie Downloads von Produktinformationen ergeben sich neue Kontaktpunkte und wenn diese als „Gated-Content“ bereitgestellt werden auch Chancen auf neue Leads (Kontakte). 
  • Man kann den Kunden auch auf dem Stand proaktiv einladen, gewünschte Informationen „nicht tragen zu müssen“, sondern interaktiv auf dem virtuellen Messestand downloaden zu können. Sofern der Download als Gated-Content erfolgt können auch hier zuverlässig neue Leads (Kontakte) DSGVO-konform generiert werden.  

Virtueller Messestand IBIS

 

Chance 4: Unterstützung des Kunden nach der Messe 

Eine weitere Möglichkeit ergibt sich durch das „Fortleben“ des Messestandes als virtueller Stand nach der Messe. Der bekannte Satz „das Internet vergisst nichts“ gilt auch hier. Auch wenn die Messe schon lange vorbei ist, können sich Besucher des realen Standes oder auch welche, „die es nicht geschafft“ haben, sich über die vorgestellten Produkte informieren. Für den Aussteller ergeben sich so folgende Vorteile: 

  • Verlängerung der Ausstellung auch über die Dauer der Messe hinaus. Der Stand kann weiterleben. 
  • Interaktive Präsentation von Produktneuheiten auch für Interessenten, die nicht zur Messe kommen konnten. 
  • Generation von Leads (Kontakten) über die Bereitstellung von Informationen als Gated Content.  

 

Zusammenfassung

  • Der virtuelle Messestand ist im Sinne der SWOT-Analyse immer noch kein Risiko für den realen Messestand. Viele multisensorische und persönliche Aspekte können nur real dargestellt werden.  
  • Der virtuelle Messestand ist aber eine sinnvolle Ergänzung zum realen Messestand als sogenannter Digital Twin. Dabei kann diese Ergänzung sowohl vor, während als auch nach der realen Messe erfolgen.
  • Mit ExpoCloud Studio VirtualShow gibt eine einfache Lösung zur Wandlung der bereits bestehenden CAD-Designs in lebende, interaktive Welten.

Für den Messebauer ist nun entscheidend, ob er diese Chancen den Online-Agenturen des Kunden überlässt oder auf Basis seiner Startposition dieses Geschäft selbst ausführt, denn er hat den Stand bereits digital in seiner CAD-Software zur Verfügung. So wandelt er ein potenzielles Risiko in eine neue Chance.

 

Links: 

https://www.springer.com/de/book/9783658223304

https://www.expocloud.com/de/loesungen/studio/studio-virtualshow

 

 

Themen: Virtueller Messestand

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Dr. Christian Coppeneur-Guelz

Geschrieben von: Dr. Christian Coppeneur-Guelz

Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Vallendar, Rom und Los Angeles promovierte Christian Coppeneur-Gülz im Bereich Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Mit Fokus auf Digitalisierung, Prozessoptimierung und Kostensenkung im Bereich Live-Kommunikation entwickelte Dr. Christian Coppeneur-Gülz mit ExpoCloud, die führende Event-Marketing-Automation Plattform mit inzwischen über 7.000 internationalen Anwendern. Ob cloudbasierte Business Intelligence, automatisierte Besuchermessung oder KI-basierte Content-Steuerung – sein Pioniergeist revolutioniert die Branche. Dr. Christian Coppeneur-Gülz ist gefragter Keynote Speaker und hält regelmäßig Vorträge und Vorlesungen zur digitalen Transformation der Live-Marketing-Branche. Er ist Autor des Standardwerks „Event-Resource-Management“



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