Was bringt ein virtueller Messestand wirklich?

Freitag, 29. Mai 2020

Die Messebranche scheint sich momentan zu virtualisieren. Der virtuelle Messestand ist ein Trend an dem aktuell niemand vorbeikommt. Doch handelt es sich dabei lediglich um einen kurzen Hype aufgrund des Ausfalls von realen Messen oder um eine langfristig gute Lösung?

Messen und andere Großveranstaltungen finden aufgrund der Corona-Pandemie momentan nicht statt. Bis mindestens Ende August wird das wohl auch noch so bleiben, da die Bundesregierung Großveranstaltungen bis zum 31.08.2020 untersagt. Doch während reale Messen nun nicht stattfinden dürfen, hat sich die Messe- und Eventbranche scheinbar virtualisiert. Virtuelle Messen, Seminare und Kongresse tauchen in jeder Ecke des Internets auf und scheinen der neueste Trend zu sein. Doch sind diese Maßnahmen sinnvoll und auch dann noch eine gute Lösung, wenn der Alltag wieder zurückkehrt und Messen wieder wie gewohnt stattfinden? Um diese Frage zu klären, legen wir den Fokus heute auf den virtuellen Messestand.

 

Digitaler Messestand vs. virtueller Messestand

Zuerst müssen wir dafür eine gemeinsame, begriffliche Grundlage schaffen. Was ist ein digitaler Messestand? Was ist ein virtueller Messestand? Oder sind es beides nur Begriffe, die letztendlich dasselbe beschreiben? Nein, es handelt sich tatsächlich um zwei verschiedene Arten von Messeständen. Als digitalen Messestand verstehen wir einen physischen Messestand, der auf einer realen Messe verwendet werden kann, der zusätzlich zu Printgrafiken, Tischen etc. auch digitale Elemente (z.B. LED-Messewände) aufweist. Der virtuelle Messestand ist nicht physisch und ausschließlich über das Internet aufrufbar. Dieser Messestand kann dann entweder extra für den Internetauftritt erstellt worden sein oder etwa eine Kopie des bereits existierenden, realen Messestandes sein. Im letzteren Fall, also wenn der virtuelle Messestand eine digitale Kopie eines bereits existierenden, realen Messestandes ist, spricht man auch von einem Digital Twin bzw. Digitalen Zwilling.

 

Wie entsteht ein virtueller Messestand und wie funktioniert er?

Die Entstehung eines virtuellen Messestandes ist einfacher, als man es sich wahrscheinlich vorstellt. Das liegt daran, dass die meisten Messebauer Messestände heutzutage ohnehin schon über sogenannte CAD-Softwaren erstellen. Der Messestand liegt also schon virtuell vor. Es müssen lediglich noch technische Änderungen vorgenommen werden, genauer gesagt: der Messestand muss in eine GLB Datei konvertiert werden. Das ist allerdings nicht viel Aufwand.

Sobald der Messestand veröffentlicht ist, kann man ihn „besuchen“. Je nach Anbieter sieht das Messeerlebnis anders aus. Nutzt man für den virtuellen Messestand die Software Studio VirtualShow, so können sich Besucher in einer 360-Grad-Ansicht um den Messestand herum frei bewegen.

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Vor- und Nachteile des virtuellen Messestands

Interaktivität

Wir haben soeben gelernt, dass Besucher des virtuellen Messestands sich in einer 360-Grad-Ansicht um den Messestand herum bewegen kann. Doch wenn wir ehrlich sind, wird es niemanden lange beschäftigen oder gar beeindrucken, sich einen Messestand anschauen zu können. Deswegen ist Interaktivität ein wichtiges Stichwort.

Um bei einer Software zu bleiben, erkläre ich diesen Aspekt wieder anhand der Software Studio VirtualShow. Um das Messerlebnis interaktiv zu machen, kann man dem virtuellen Messestand mit dieser Software sogenannte Infopoints hinzufügen. Durch Klick auf die Infopoints öffnen sich Popups. Wie diese aussehen sollen, können Aussteller selbst bestimmen. Sie können beispielsweise das neueste Produkt vorstellen oder auch den Imagefilm des Unternehmens zeigen. Bei der Erstellung der Infopoints gibt es viele Möglichkeiten. Auf diese Weise wird es den Besuchern ermöglicht, das Unternehmen und die Produkte selbst kennen zu lernen. Beim freien Erkunden des Messestands und Entdecken der Informationen, die sich hinter den Infopoints verbergen, könnte man beinahe von Infotainment (Information + Entertainment) sprechen. So wird der virtuelle Messestand zum interaktiven Messeerlebnis.

Online Lead-Generierung

Einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Aspekt von Messebeteiligungen ist die Neukundengewinnung. Messen sind wohl das effektivste Mittel zur Gewinnung neuer Kontakte. Dabei dienen Messen als Plattform für Anbieter und Nachfrager, um sich kennen zu lernen und neue Geschäftsbeziehungen einzugehen.

Doch auch mit einem virtuellen Messestand ist es möglich, neue Kontakte zu schaffen. An dieser Stelle kommen die zuvor genannten Infopoints ins Spiel. Wie vorhin erklärt, ist es möglich, z.B. Formulare zu hinterlegen. Sendet ein Besucher das Formular mit seinen Kontaktdaten ein, wurde bereits ein neuer Kontakt geschaffen.

Orts- und zeitunabhängig

Weil der virtuelle Messestand einfach auf Websites eingebunden werden kann, ist er von überall zugänglich – Voraussetzung ist natürlich ein Internetzugang. Dabei ist es egal, in welcher Stadt, welchem Land oder welchem Kontinent sich Austeller und Besucher befinden. Über das Internet ist der Messestand in wenigen Sekunden zu erreichen. Für die Besucher bedeutet das einen geringeren Aufwand. Zum einen in Form von Kosten (An- und Abreise, Unterkunft usw.), zum anderen in Form von Zeit und Arbeit. Auch für den Aussteller bringt das Vorteile, denn die mögliche Reichweite ist viel größer. Es können nicht nur die Leute erreicht werden, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einer bestimmten Messe befinden. Jeder der einen Internetzugang besitzt, kann, während der Messestand öffentlich zugänglich ist, den Messestand besuchen. Man könnte also fast sagen, die Grenzen von Raum und Zeit werden durchbrochen.

Keine Grenzen

Einsatzmöglichkeiten

Der virtuelle Messestand bietet verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Aufgrund des momentanen Ausfalls von Messen, wird er zum aktuellen Zeitpunkt natürlich als Alternative genutzt – meist losgelöst von spezifischen Messen. Doch damit enden die Einsatzmöglichkeiten nicht, denn auch im Zusammenhang mit spezifischen, realen Messen kann der virtuelle Messestand sinnvoll eingesetzt werden.

So kann man den virtuellen Messestand im Zeitraum vor der Messe zum Beispiel im Sinne einer Einladung benutzen und damit helfen, die Werbetrommel für die Messebeteiligung zu rühren. Außerdem können Digital Twins benutzt werden, um das Standpersonal des Unternehmens vorab zu schulen.  

Während dem Zeitpunkt der Messe kann man den virtuellen Messestand nutzen, um seinen physischen Stand zu modernisieren, indem man das virtuelle und reale auf digitale Weise verknüpft. Dabei kann auch die Umwelt geschützt werden, indem man zum Beispiel auf Flyer oder andere Printmittel verzichtet und stattdessen darauf verweist, dass alle Informationen auf dem virtuellen Messestand verfügbar sind. Für die meisten Besucher ist es eine Erleichterung nicht noch einen weiteren Flyer mit sich herumtragen zu müssen. Mithilfe eines QR-Codes, den der Besucher mit seinem Smartphone scannen kann, wird der Aufwand für den Interessenten dabei so gering wie möglich gehalten.

Auch wenn die Messe dann vorbei ist, kann der virtuelle Messestand noch unterstützen. Zum einen als Wiedererkennungswert für Messebesucher, die danach die Website des Ausstellers aufrufen. Zum anderen aber auch als Möglichkeit sich den Messestand anzusehen, wenn sie es während der Messe z.B. aus zeitlichen Gründen nicht geschafft haben.

Unbegrenzter Einsatz / Kosteneffizienz / Flexibilität

Der virtuelle Messestand wird anders als die Komponenten eines physischen Messestands niemals Gebrauchsspuren aufweisen. Reale Messestände werden in der Regel mehrere Male genutzt und dann zumindest teilweise ausgetauscht. Das ist klar, denn während Transport und Lagerung und natürlich auch dem Einsatz auf Messen wird dieser auf kurz oder lang Gebrauchsspuren davontragen. Aufgrund seiner Immaterialität wird das beim virtuellen Messestand nicht passieren, er kann so oft eingesetzt werden, wie es der Aussteller beliebt. Das schlägt sich auch auf die Kosten auf, da keine Komponenten ausgetauscht und nachproduziert oder neu gekauft werden müssen. Somit ist der virtuelle Messestand kosteneffizienter als ein physischer Messestand.

Das bedeutet jedoch nicht, dass er nicht flexibel ist. Aussteller und Messebauer haben jederzeit die Möglichkeit ohne viel Aufwand den virtuellen Messestand zu verändern – entweder die Gestaltung des Messestands oder der Infopoints. Dadurch bleibt der Messestand flexibel und für die Aussteller vor allem auch agil. Denn Änderungswünsche können jederzeit schnell umgesetzt werden.


Persönlicher Kontakt

Das, was reale Messen ausmacht, nämlich der persönliche Kontakt zu Menschen, kann der virtuelle Messestand (und auch sonst keine Marketingform) so bieten, dass es einer realen Messe gleichkäme. Doch auch wenn ein Händeschütteln virtuell nicht umsetzbar ist, gibt es Möglichkeiten die immerhin Konversationen gestatten – und das sogar in Echtzeit. Aussteller und Besucher können sich entweder über Live-Chats oder auch Videokonferenzen unterhalten und sich auf diese Weise unterhalten.

Persönlicher Kontakt

Fazit

Der Einsatz von virtuellen Messeständen bringt viele Vorteile mit sich und ist gerade in der aktuellen „messelosen“ Zeit eine sinnvolle Lösung. Eine Alternative bzw. ein Ersatz zu realen Messebeteiligungen ist der virtuelle Messestand jedoch keinesfalls, dafür ist die Plattform und der reale, persönliche Kontakt, den reale Messen bieten, einfach zu wichtig. Das bedeutet jedoch nicht, dass virtuelle Messestände überflüssig werden, sobald Messen wieder stattfinden dürfen. Ganz im Gegenteil: sie sind eine sehr sinnvolle und hilfreiche Erweiterung des realen Messeerlebnisses und schaffen durch die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten eine wunderbar vernetztes Messeerlebnis. Anders als viele also vielleicht vermuten, ist der virtuelle Messestand kein kurzfristiger Hype oder schnelllebiger Trend, sondern vielmehr eine langfristige Lösung, um Besuchern und potenziellen Kunden das optimale Messeerlebnis zu bieten. Somit sollte jedes Unternehmen, das entweder in der Messebranche tätig ist oder etwa regelmäßige Messebeteiligungen unternimmt, sich mit der Implementierung von virtuellen Messeständen auseinandersetzen und auf diese Weise einen Schritt in Richtung Zukunft machen.

Themen: Virtueller Messestand

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Laura Wirtz

Geschrieben von: Laura Wirtz

Als Content Managerin unterstützt Laura die Expocloud seit Ende 2019. Zuvor absolvierte sie ein duales Studium im Bereich BWL mit der Vertiefung Medien- und Kommunikationsökonomie. Währenddessen arbeitete sie in einem Aachener Medienhaus. Neben der Arbeit ist sie begeisterter Fußballfan und reist gerne um die Welt.



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